Entstehungsgeschichte

Auf dem Hintergrund zahlreicher Probleme städtischen Wohnens entwickelte sich in Trier in den siebziger Jahren der Gedanke, ein Wohngebiet mit sozialer Zielsetzung zu errichten. In Zusammenarbeit mit dem Sozialdezernat der Stadt Trier planten die Abtei St. Matthias und die Wohnungsbau und Treuhand AG (gbt) das Schammatdorf, das ab Ende 1979 bezugsfertig wurde.

Die Wohnungsbau und Treuhand AG (gbt) als Bauträger erstellte im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus die Wohnanlage. In den 144 Wohnungen, von denen 44 barrierefrei gehalten sind, wohnen zur Zeit etwa 280 Menschen. Die Bewohner wollen eine neue Nachbarschaft mit hoher Kommunikation, Integration und Partizipation leben.

Die Kaltmiete beträgt derzeit etwa 5,40 Euro je qm Wohnfläche. Zwischenzeitlich haben einige Bewohner ihre frühere Mietwohnung als Eigentum erworben.

 

Ziele und ihre Verwirklichung

Der Grundgedanke des Projektes ist, einen Wohnbereich zu schaffen, in dem selbständig Lebende mit Menschen zusammenwohnen, die aufgrund ihrer Lebens­geschichte oder spezifischer Beeinträchtigungen Schwierigkeiten mit der selbständigen Bewältigung des Alltags haben. Im Schammatdorf wohnen somit heute Familien mit Kindern, Menschen mit und ohne Behinderungen, ältere Menschen, Studenten, Alleinerziehende… in guter Nachbar­schaft zusammen und helfen sich gegenseitig im Alltag dort, wo es Probleme gibt.

Die Architektur des Dorfes schafft für die Ziele der Integration und Kommunikation gute Voraussetzungen. Die Häuser sind zweigeschossig in sogenannten Wohnhöfen gebaut. Laubengänge und der Hofbereich mit Baum, Sandkasten und Bänken laden zum Verweilen ein. Die halböffentlichen Räume geben den Bewohnern die Möglichkeit zu selbstverständlichen Alltagskontakten. Die Außenanlagen sind weitgehend rollstuhlfreundlich und zudem vielfältig begrünt. Ebenfalls barrierefrei ist das in der Dorfmitte gelegene Schammatdorf­zentrum, das den Nachbarn für ihre Aktivitäten (gemeinsame Mittagessen, Kindertreffs, Kaffeenachmittage, Bastelgruppen, offene Treffs wie z.B. das „Kneipchen“…) zur Verfügung steht. Es ist aber auch Treffpunkt für Initiativen und Veranstaltungen, die über das Dorf hinausgehen (Vorträge, Ausstellungen…).

Auf Grundlage des intensiveren gemeinsamen Wohnens von Menschen mit unterschiedlicher Lebenslage und Lebensorientierung erweitert der Bewohner den eigenen menschlichen Erfahrungshorizont. In den gemeinsamen Aktivitäten, in der Gestaltung der Wohnumwelt und in der Freizeit werden wechselseitige Anerkennung gefördert, persönliche Fähigkeiten zur selbstbestimmteren Lebensführung entwickelt und gegenseitige unentgeltliche Unterstützung aufgebaut. Mit der Gründung eines Vereins haben die Nachbarn auch eine rechtlich verfasste Struktur zur Beteiligung an der Weiterentwicklung ihres Gemeinwesens geschaffen.

 

Kleine Bürgermeisterin

Unsere Kleine Bürgermeisterin Anja Loch

Anja Loch

Als beratende Kontaktperson steht den Bewohnerinnen und Bewohnern eine Diplom-Sozialpädagogin (die sogenannte Kleine Bürgermeisterin) zur Seite. Sie begleitet Menschen in schwierigen Lebenssituationen und bietet bei persönlichen Problemen kontinuierlich Hilfen an.

Zu ihren weiteren Aufgaben zählen u.a., Initiativen aufzugreifen, Anregungen zu geben, Hilfen zu vermitteln, bei Streitigkeiten zu schlichten und organisatorisch zu gewährleisten, dass viele Aktivitäten stattfinden können.

Für Wohnungsbewerber ist die Kleine Bürgermeisterin die erste Kontaktperson. Gemeinsam mit dem Verantwortlichen der Abtei St. Matthias wählt sie mögliche Nachmieter für freigewordene Wohnungen aus, die der Baugesellschaft vorgeschlagen werden.

Die Auswahl zielt bewusst auf eine starke Vielfalt in Alter, Behinderung, Einkommen, Bildung und Zusammensetzung der Haushalte.

Anstellungsträger für die Kleinen Bürgermeisterin ist die Abtei St. Matthias.

 

Schammatdorf e.V.

Der Nachbarschaftsverein Schammatdorf e.V. wurde im Juni 1984 ins Leben gerufen mit dem Ziel, „das solidarische Miteinanderwohnen der Nachbarn des Schammatdorfes (zu) fördern und so einen Beitrag zur Integration von behinderten und nichtbehinderten Nachbarn (zu) leisten.“
(Vereinssatzung des Schammatdorf e.V., § 2, Abs. 1).

Er vertritt die Interessen der Schammatdorfbewohner nach außen und bildet den organisatorischen Rahmen für die verschiedenen Veranstaltungen und Aktivitäten im Dorf. In den einmal monatlich stattfindenden Vorstandssitzungen entscheiden die Vorstandsmitglieder, Hofsprecher und interessierte Bewohner gemeinsam über die Ausgestaltung des Dorflebens.

Von neu einziehenden Nachbarn wird der Beitritt zum Schammatdorf e.V. erwartet, als finanzielle Unterstützung sowie als Ausdruck des Interesses und der Solidarität.

 

Anmietung des Schammatdorfzentrums

Das Schammatdorfzentrum kann für Feierlichkeiten, Veranstaltungen und Fortbildungen gemietet werden. Das gesamte Gebäude ist barrierefrei und rollstuhlgerecht. Das Zentrum setzt sich aus einem Saal (95qm), einem “Kneipchen” (43qm) für kleinere Veranstaltungen und einer voll ausgestatteten Küche zusammen. Zudem gibt es im Kellergeschoss noch zwei Gruppenräume mit flexibler Trennwand und ein Gästezimmer mit drei Schlafgelegenheiten, Dusche und WC.

Wenn Sie an einer Anmietung interessiert sind, wenden Sie sich für Details bitte an die Kleine Bürgermeisterin.

 

 

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